Zwischen den Seilen


Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Zwischen den Seilen

 

 

Ein Stück Mensch,

was sich nicht mehr koordinieren

kann,

Endstadium, schlaffer Hautsack

voll Blut, Fleisch,

Knochen, Hirn, Schmerz und Tränen,

das leben will,

aber nicht mehr kann.

Vergessen, Apathie,

Weinen, Kreischen,

ungerecht sein,

Wutanfälle.

 

 

Und du stehst davor,

antwortest 100mal auf die gleichen Fragen,

bewahrst Gleichmut,

aber könntest selbst am liebsten

laut schreien,

vor Ohnmacht,

Nicht-Helfen-Können,

nur Zeuge sein zu können

eines ziellos gewordenen Lebens

und von über 50 Jahren Freundschaft.

 

Bild von Pawel Grzegorz auf Pixabay


Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
 
Mit von der Partie sind auch:

Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Erinnerungswerkstatt
Lebensbetrunken
Dein Poet
Geschichte/n mit Gott
Suses Buchtraum
Wortmann
Traumspruch
Lyrik trifft Poesie
Voller Worte
Zielstrebig
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie

 

17 Comments

  1. Demenz ist grausam für alle, ob die davon ergriffen wurden, oder diejenigen, die mit dem Menschen konfrontiert sind.

    1. Am schlimmsten ist die eigene Ohnmacht, nicht wirklich helfen zu können, gerade, wenn zwischendurch mal lichte Momente aufscheinen , aber dann wieder sofort im Nichts verschwinden. All das gemeinsam Erlebte: weggeblasen, einseitig ausgelöscht. Das schmerzt. Und man mag sich gar nicht vorstellen, wenn es bei einem selbst mal so käme.

      1. Es ist ein Trauer-Abschied von jemandem, den man als Erwachsenen im Vollbesitz all seiner Fähigkeiten kannte, und man kann wegen der lichten Momente und der Aggressionen, die auch verbalisiert werden, während der verdunkelten Augenblicke nicht einfach die Geduld aufbringen, wie man sie gegenüber einem Kind hätte, das sich irrational verhält. Mit der Konstante wäre es einfacher umzugehen.
        Die Bedenken, später selbst davon betroffen zu werden oder für einen Partner verantwortlich zu werden, mit dem man das durchleben muss, können dabei nicht ausbleiben.

  2. Ich habe mich schon gefragt, wie es ihm geht – wenn das der Mensch ist, von dem du bereits schriebst.
    Stärke beim Aushalten wünsche ich dir.
    Morgenkaffeegrüße ☁️💻☕🍪

    1. Ja, es ist unsere älteste Freundin, mit der wir seit über 50 Jahren verbunden sind. Die Patentante unseres jüngsten Sohnes, die jetzt eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigt, weil sich ihr Zustand mehr und mehr verschlechtert hat , die nur noch in Ängsten lebt, weil sie sich einbildet, alle würden sie bestehlen, Sachen versteckt, sie nicht findet, das der einmalig geduldigen Pflegerin in die Schuhe schieben will, aggressiv wird, manchmal klar ist, sich von Erbschleichern umringt fühlt und nicht mehr lachen kann.

      Es hat ehrlicherweise eine Zeit gebraucht, bis wir die Krankheit verstanden haben und jetzt entsprechend anders mit ihr umgehen. Aber glaub mir, es tut sehr weh.

  3. Es kann alles wegfliessen, was den menschen einst ausgemacht hatte.
    Aus brillianz wird so oft das gegenteil.
    Dankbarkeit über die Stunden von einst: Das kann und sollte bleiben können.

  4. ja, das ist schwer auszuhalten.

    umso wichtiger, dass endlich die Pflege mehr Geld bekommt. Nicht nur für Unterbringung und Hintern abwischen, sondern „richtige“ Pflege.

    Wir werden ja alle nicht jünger. Und wir sind sehr viele.

  5. So ist es und es ist schlimm. Gerade das nicht helfen können und aushalten müssen ist schwer. Meiner Oma ging es auch so und es war nicht schön. Wie Katharina schrieb, das Unaussprechliche in Worten.

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