Pappkameraden
Am Tisch aus Blut und Wasser
sitzen wir wie Klappfiguren
mit bunten Hüten
und wehenden Gewändern:
prosten uns fröhlich zu.
Nach und nach
mehren sich
die Einschüsse,
fallen wir durcheinander:
auf die anderen,
nach hinten weg,
mit der Nase auf den Tisch,
kippen unverhofft zur Seite.
Abraum eines Lebens.
Bis der Bagger kommt.
Platz schafft
für ein neues Gelage
mit frischen Gästen.

Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
Mit von der Partie sind auch:
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Erinnerungswerkstatt
Lebensbetrunken
Dein Poet
Geschichte/n mit Gott
Suses Buchtraum
Wortmann
Traumspruch
Lyrik trifft Poesie
Voller Worte
Zielstrebig
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie


Huch!
Ich denke, dass Du auch vom vorangegangenen Dienstag-Gedicht mitbekommen hast, das neben mir im Krankenhaus ein Bettnachbar gestorben ist. Das macht natürlich nachdenklich in unserer Tabuwelt zum Thema Tod, indem wir unsere Angst vor dem Endgültigen mit der Sehnsucht nach etwas Ewigem betäuben. Und dann fragen wir uns wie der italienische Autor und Drehbuchschreiber Ennio Flaiano „Was bedeutet es schon, so viele Jahre gelebt zu haben, wenn ein einziger Tag uns begreiflich macht, dass uns nichts bleibt?“
Das habe ich versucht nachzuzeichnen mit meinen deftigen Bildern: benutzt, weggefegt, Platz für andere gemacht. Das Hamsterrad dreht sich weiter.
Sollten wir also nicht doch anders und ehrlicher mit dem Thema umgehen und nach Strukturen suchen, wie wir einen Sinn für uns und unserer Leben entfalten können?
Das Zitat von Flaiano bringt es leider genau auf den Punkt. Ich war letztes Jahr auf 3 Begräbnissen – alle meine Vorfahren sind jetzt tot. Man kann m.M.n. mit dem Thema nur ehrlich umgehen. Ich denke seither sehr viel darüber nach: über das eigene Ende und die Gesellschaft, wie sie es zugleich als lästig empfindet, wenn einer nicht mehr selbst für sich sorgen kann + gleichzeitig das Ganze sehr abstrakt und bürokratisch in genau vorgesehenen Bahnen abhandeln möchte. Aber der Verfall des Menschen überholt dabei gerne auch den Aktenweg: Anträge, Genehmigungen (in Bezug auf Pflege meine ich jetzt) zu bearbeiten, dauert manchmal zu lang, um noch hilfreich zu sein und wird zur zusätzlichen Bürde – á la Kafka schickt den Kranken in ein Amt, aber in dem einzigen Büro, das er und seine Begleiter finden, wo sie schlussendlich vorgelassen werden, sitzt der Tod (kam mir gerade so vors innere Auge)
Sterben und Bürokratie ist leider zu oft ein ungleicher Kampf.
Krasses Bild. Kalt. Das ist aber keine Kritik, ich mag das Gedicht sehr.
Ja, das Leben wird für uns ja auch immer krasser. Die fortschreitenden Degradierung Arbeitsmaschinen: noch mehr arbeiten, reduzierte Wahlmöglichkeit für Frauen-Teilzeit, mehr Eigenbeteiligung an der Altersvorsorge. Langsam nähern wir uns dem Gulak und deren Methoden.