
Durchschlag
In einer Bahnhofstoilette
möchte ich kein Spiegel sein
Selten geputzt und voll Schlieren
Unrasierte Männer mit müden Augen
strähnige Frauen mit gepolsterten Lippen
der tägliche Obdachlose zum Toilettengang
der empathielose Blick des Uniformierten
das schwankende Gesicht des Nachtschwärmers
Abziehbilder einer seelenlosen Welt
Alles nur wie Masken
Verwischtes Make-up
Nur faule Zähne
Kein Lächeln
Gehetzte
auf die nicht mal Gott schielt
und seine Hand versagt


Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
Mit von der Partie sind auch:
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Erinnerungswerkstatt
Lebensbetrunken
Dein Poet
Geschichte/n mit Gott
Suses Buchtraum
Wortmann
Traumspruch
Lyrik trifft Poesie
Voller Worte
Zielstrebig
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie

Ich überlege und denke, dass mensch sich ein Stück weit auch die Welt selbst erschafft, so wie mensch sie sieht. Wo ist die positive Version des Spiegels, die (bitte) nicht-kitschige?
Morgenkaffeegrüße ☀️🌳🦋🌻☕
Ich habe zugeschaut, wie viele am Leben kaputtgehen. Aber ich habe auch vielen Angst genommen. Hält das die Waage?
Ist das eine prinzipielle Frage? Musst du das nicht entscheiden? 🤔
Das war die Antwort von Gott.
Aha.
Die frage verstehe ich nicht.
der Einfall ist interessant, die Aufzählung stimmig. Aber dass diese Welt „seelenlos“ sei, will mir nicht einleuchten. Und warum sollte „Gott“ kein Auge auf sie haben? Nur weil ein Bourgois sie nicht sehen mag?
Solche szenen waren oft themen von filmen- wieso und warum, das ist eine andere frage
Verhält der Bourgois sich denn nicht genau wie Gott? Schaut er den nicht weg?
Ihn interessiert das alles genauso wenig, seine Stellvertreter machen ja auch nur ein desinteressiertes Gesicht. Bourgosie ist wegschauende Masse, die den Dreck von anderen machen lassen. Und wir gewöhnen uns daran. Also auch Selbstanklage, weil uns Tod und Elend von anderen und für uns egal geworden sind.
Versuch einer Definition: der Bourgois wünscht sich vom „Abschaum“ seiner eigenen Existenz zu distanzieren. „Gott“ distanziert sich nicht, da er alles enthält.
Wenn er alles enthält, dann wäre er ja das ganze „Sein“ und damit als Distanz hinfällig.
ja. Wir sind es gewohnt, uns immer in „ich“ und „alles andere“ auseinanderzudividieren. Denn so ist unsere Welterfahrung. Also haben wir auch „Gott“ rausdividiert und „außerhalb“ hingestellt.
Hn, die Welt klingt aber auch verletzlich, wenn man sie durch deinen Bahnhofsspiegel betrachtet.
Weil wir ihn nicht putzen.
Bukowski at his best 😀
Really
Meinst Du?