Der Dienstag Dichtet – Durchschlag


Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Durchschlag

 

In einer Bahnhofstoilette

möchte ich kein Spiegel sein

Selten geputzt und voll Schlieren

Unrasierte Männer mit müden Augen

strähnige Frauen mit gepolsterten Lippen

der tägliche Obdachlose zum Toilettengang

der empathielose Blick des Uniformierten

das schwankende Gesicht des Nachtschwärmers

Abziehbilder einer seelenlosen Welt

Alles nur wie Masken

Verwischtes Make-up

Nur faule Zähne

Kein Lächeln

Gehetzte

auf die nicht mal Gott schielt

und seine Hand versagt

Bild von Mystic Art Design auf Pixabay


Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
 
Mit von der Partie sind auch:

Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Nachtwandlerin
Gedankenweberei
Erinnerungswerkstatt
Lebensbetrunken
Dein Poet
Geschichte/n mit Gott
Suses Buchtraum
Wortmann
Traumspruch
Lyrik trifft Poesie
Voller Worte
Zielstrebig
Puzzleblume
wolkenleer
Querfühlerin
L wie

 

18 Comments

  1. Ich überlege und denke, dass mensch sich ein Stück weit auch die Welt selbst erschafft, so wie mensch sie sieht. Wo ist die positive Version des Spiegels, die (bitte) nicht-kitschige?
    Morgenkaffeegrüße ☀️🌳🦋🌻☕

  2. der Einfall ist interessant, die Aufzählung stimmig. Aber dass diese Welt „seelenlos“ sei, will mir nicht einleuchten. Und warum sollte „Gott“ kein Auge auf sie haben? Nur weil ein Bourgois sie nicht sehen mag?

    1. Ihn interessiert das alles genauso wenig, seine Stellvertreter machen ja auch nur ein desinteressiertes Gesicht. Bourgosie ist wegschauende Masse, die den Dreck von anderen machen lassen. Und wir gewöhnen uns daran. Also auch Selbstanklage, weil uns Tod und Elend von anderen und für uns egal geworden sind.

    2. Versuch einer Definition: der Bourgois wünscht sich vom „Abschaum“ seiner eigenen Existenz zu distanzieren. „Gott“ distanziert sich nicht, da er alles enthält.

        1. ja. Wir sind es gewohnt, uns immer in „ich“ und „alles andere“ auseinanderzudividieren. Denn so ist unsere Welterfahrung. Also haben wir auch „Gott“ rausdividiert und „außerhalb“ hingestellt.

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